Corona-konforme Probe: das Rondo zu Gast in der Sonnenbergkirche
Corona-konforme Probe: das Rondo im Oktober 2020 zu Gast in der Sonnenbergkirche

Proben in Coronazeiten

Juni 2022: Probentage in Ochsenhausen

Rückblick: Unser Konzert re:requiem am 26. Mai in St. Konrad im Rahmen des 102. Katholikentags war ein großer Erfolg. Obwohl die Kirche nicht gerade im Zentrum von Stuttgart liegt und es zahlreiche parallele Veranstaltungen gab, war das Kirchenschiff voll mit Zuhörerinnen und Zuhörern. Chor, SolistInnen und Orchester, Dirigent, Poet und Komponist hatten viel Spaß beim gemeinsamen Musizieren und Improvisieren und freuten sich über Standing Ovations.

Nachdem unsere Chorprobentage in den Jahren 2020 und 2021 ausgefallen sind, freuen wir uns sehr, uns über Fronleichnam wieder in Ochsenhausen für einige Tage zu treffen, um uns auf die nächste Aufführung vorzubereiten. Wunderbare Konzerte entstehen, wenn man sich kennt und sich versteht. Daher lassen wir neben der Probenarbeit auch Raum für andere Aktivitäten. Kern bleibt natürlich aber die Vorbereitung auf die kommenden Aufführungen: am 25. Juni um 19 Uhr in der Markuskirche, am 26. Juni um 18 Uhr in der Gnadenkirche Heumaden. Im Mittelpunkt des A-cappella-Programms steht die doppelchörige Rheinberger-Messe in Es-Dur (Op. 109), dazu singen wir kleinere Werke unterschiedlicher Komponisten aus unterschiedlichen Jahrhunderten.

Das einstige Benediktinerkloster Ochsenhausen, eine 1090 gegründete und 1803 Reichsabtei, gehört zu den eindrucksvollsten Anlagen des oberschwäbischen Barock. Es fasziniert schon durch seine schiere Größe, aber auch durch seine sorgfältig restaurierte barocke Ausstattung. Heute bietet es der Landesakademie für die musizierende Jugend in Württemberg Räume zum Proben und Üben. Wir sind dankbar dafür, dass wir alle zwei Jahre hier unsere Probentage verbringen dürfen. Um das Kloster herum findet sich herrliche Natur und in Bezug auf die Eisdiele im Ort von Ochsenhausen fragt man am besten das eine oder andere Chormitglied.

Mai 2022: Vorbereitung auf den Kirchentag

Im Herbst 2021 haben wir es allen widrigen Umständen zum Trotz gewagt, zwei Konzerte aufzuführen. Gestartet sind wir nach der Coronapause Mitte Oktober in der Christkönigkirche Backnang mit einer ersten Aufführung des re:requiem; zu diesem Werk unten mehr. Wegen der geltenden Abstandsregeln stand leider nur eine sehr begrenzte Zahl von Karten zur Verfügung, sodass nicht alle Interessierten tatsächlich das Konzert besuchen konnten. Bereits sechs Wochen später, zum ersten Advent, sind wir dann unter dem Motto „O Magnum Mysterium“ erneut aufgetreten und haben in der Markuskirche Stuttgart dem Publikum eine besinnlich-schöne Stunde mit adventlicher und weihnachtlicher Musik bereitet.

Im neuen Jahr nahmen die Coronarestriktionen allmählich ab und wir konnten die Proben im gewohnten Rhythmus wieder aufnehmen, unter Beachtung aller erforderlichen Hygienemaßnahmen natürlich. Das musikalische Ergebnis: ein Konzert am Karfreitag in der Markuskirche Stuttgart mit Werken von Gavin Bryars, Jaakko Mäntyjärvi, Antonio Lotti und Josef Rheinberger.

Letztendlich standen alle Proben und Aufführungen immer unter dem Eindruck von Corona. Aber es gibt auch viel Positives, was wir aus dieser Zeit mitnehmen. Unser Hygienekonzept hat ermöglichst, dass wir keine einzige Coronainfektion im Chor weitergetragen haben. Das anfangs sehr ungewohnte Singen mit großem Abstand untereinander hat den Chorklang positiv beeinflusst, weil die Sängerinnen und Sänger weniger die Stimmen in unmittelbarer Nähe, dafür aber den Gesamtklang viel mehr wahrnehmen können.

Unser nächstes Konzert
Aktuell bereiten wir uns auf Folgendes vor: An Himmelfahrt, dem 26. Mai, werden wir das re:requiem ein zweites Mal aufführen können, und zwar im Rahmen des 102. Katholikentags in Stuttgart. Gereon Müller, Jonathan Hanke und Timo Brunke haben dem Mozart-Requiem und seinen liturgischen Texten Alternativen aus ganz unterschiedlichen Jahrhunderten hinzugefügt, von der Gregorianik bis heute. So wird die historische Distanz überwunden und die Aktualität spürbar. Die Frage, wo wir spirituell, musikalisch und kulturell herkommen, spielt dabei ebenso eine Rolle wie die Frage, wie wir in Zukunft unsere Spiritualität, unsere Kunst und unser Zusammenleben gestalten wollen. Timo Brunke zieht in das re:requiem ein zweites Strukturmodell ein, die „Requiem-Rhapsodie“. Der Konzertpoet fungiert als „Evangelist“ und Anstifter zum individuellen oder kollektiven situativen Mitsprechen aller Anwesenden. Die zu hörende Fassung von Mozarts Requiem wird neben den Originalpartien, so weit sie aus W. A. Mozarts Hand stammen, auch die Leerstellen ergänzen, die dadurch entstehen, dass Mozart sein Werk nicht vollenden konnte. Jonathan Hanke füllt sie mit neuen Kompositionen junger Stuttgarter Musikstudierenden, die auf der Grundlage der Texte von Timo Brunke entstanden sind, und durch ergänzende Werke aus dem musikalischen oder spirituellen Umfeld des Requiems (Missa de profunctis; Mozart, Klarinettenkonzert, Händel, Amen; Bill Evans, Peace Piece …) und nicht zuletzt durch Improvisationen des ensembles ohrenblicke und der Gesangssolisten.

November 2021: Wir proben weiter

Leider sind die Inzidenzen erneut stark gestiegen. In den vergangenen Tagen gab es Presseberichte, dass es in einem Chor im Umland von Stuttgart nach einer Chorprobe zu einem größeren Corona-Ausbruch kam. Einzelne Chormitglieder haben für sich beschlossen, mit den Proben auszusetzen. Zwangsläufig stellt sich damit auch für den Chor als Ganzes die Frage erneut, ob wir es verantworten können, mit den Proben und Konzertaufführen fortzufahren.

Letztendlich gibt es nicht den einen richtigen Weg. Jeder und jede muss angesichts der konkreten Umstände für sich entscheiden, welchen Weg er bzw. sie gehen möchte. Das respektieren wir selbstverständlich.

Sorglos haben wir schon seither nicht geprobt. Ohne es bewusst als Ziel ausgegeben zu haben, stellte sich im Sommer 2021 heraus, dass der Chor 2G-Status hat: Alle waren geimpft. Wir haben, wann immer Chorproben möglich waren, darauf geachtet, im Freien oder in großen Räumen mit sehr guter Durchlüftung zu singen. Wir sind sehr dankbar, dass uns die Markuskirche hier ideale Bedingungen liefert: eine große Hallenkirche, bei der über geöffnete Fenster quergelüftet werden kann. Auch die Haigstkirche ist für uns groß genug. Wir lassen einen CO2-Sensor zur Überwachung mitlaufen, der die gute Durchlüftung messtechnisch erfaßt. Außerdem achten wir konsequent auf Abstand zwischen den Sängerinnen und Sängern.

Nun können aber auch Geimpfte Corona übertragen. Daher haben wir beschlossen, dass jedes Chormitglied ab sofort zusätzlich am Tag der Probe einen Schnelltest machen muss, wir proben also im 2G+-Modus. Wir achten zudem wieder streng darauf, dass wir abseits des Singens konsequent Masken tragen.

Ein Restrisiko bleibt, das ist klar. Aber wir gehen sorgsam mit der Situation um und sind bereit, dieses Restrisiko zu tragen.

November 2020 bis Juni 2021: im Lockdown

Bereits nach dem ersten Lockdown im Frühjahr 2020 haben wir bereits im Sommer 2020 wieder begonnen zu proben. Wegen der anfänglichen Unsicherheiten über die Infektionswege haben wir uns mehrmals in einem Sonnenberger Garten unter Obstbäumen getroffen. Uns lief in der Sonne der Schweiß, aber der Ort war wunderschön! Eva, ein herzliches Dankeschön dafür!

Leider wurden wir mit unseren Proben Ende Oktober 2020 durch die zweite Corona-bedingte Pause im Winter/Frühjahr 2020/2021 gestoppt. Im Juni haben wir unsere Probenarbeit wieder aufgenommen, wobei wir uns selbstverständlich an die Regeln halten (GGG/AHA).

Aber wie hielten wir in Zeiten, in denen ein persönlicher Kontakt nicht möglich war, den Chor zusammen? Wir sind ja auch eine Gemeinschaft, die vom direkten Miteinander lebt. Nun, der Chor ließ sich einiges einfallen.

Da war beispielsweise unsere Stimmbildnerin Cornelia Karle. Sie ließ sich ohne Umschweife auf das Experiment Einsingvideo ein. Wer daheim saß und fürchtete, die Stimme würde einrosten, an Geschmeidigkeit und Volumen verlieren, konnte sich mithilfe von Cornelia Karles kleinen Videosequenzen in den eigenen vier Wänden einsingen. Ganz so, als würde man tatsächlich vor ihr stehen und mit ihr arbeiten. Außerdem konnte man sich mit ihr zu einer individuellen Online-Stimmbildung verabreden, was viele begeistert nutzten. Auch an dieser Stelle ein herzliches Dankeschön dafür, liebe Cornelia Karle!

Konrad Panzlaff und Stephanie Flüss luden zum virtuellen Treffen via Jitsi ein. So konnten wir uns etliche Male an Abenden, an denen eigentlich eine Chorprobe hätte stattfinden sollen, in die Augen schauen. Auch wenn nicht alle immer dabei sein konnten – es war einfach schön, dass wir (unter anderem) auf diese Weise den Kontakt halten konnten. Konrad und Steffi, auch Euch ein dickes Dankeschön dafür!

Über Online-Proben haben wir gleich zu Beginn des zweiten Lockdowns nachgedacht, als Möglichkeit aber verworfen. Die Verzögerung (Latenz) bei den üblichen Konferenzproben ist viel zu hoch, um miteinander zu musizieren. Im April hörten wir dann erstmals von Jamulus, einer Software, die speziell für Musiker gedacht ist. Innerhalb von wenigen Tagen war dann klar: Das wollen wir nutzen! Nach einigem Ausprobieren haben wir einen eigenen virtuellen Linux-Server gebucht und Jamulus installiert. Nachdem mehr als zehn Chormitglieder die entsprechende Audioausrüstung installiert hatten, war es am 5. Juni so weit: unsere erste gemeinsame Probe nach sieben Monaten! Ein ganz herzliches Dankeschön an Jonathan Hanke und Gereon Müller, ohne die die Jamulus-Proben nicht möglich gewesen wären.

Aber nichts geht über Präsenzproben! Mit diesen haben wir ab Anfang Juli 2021 erneut begonnen.

Sehen wir Sie in unserem nächsten Konzert?